Paartherapie – brauchen wir doch nicht!

Guten Tag,

haben Sie sich schon einmal gefragt, wie es mit Ihnen und Ihrer Paarbeziehung weitergehen soll? Nein, dann herzlichen Glückwunsch. Sie sind ein Naturtalent, vielleicht, vielleicht haben Sie aber auch nur einfach Glück gehabt mit Ihrer Partnerwahl. Oder Sie haben Ihren Partner/Ihre Partnerin so hinbekommen, wie Sie sich das gewünscht haben, sozusagen ein perfektes Wesen für Sie geschaffen. Meine Worte klingen heute wahrscheinlich ein bisschen sarkastisch oder ironisch, denn meiner Erfahrung nach und nachdem, was ich in meiner Umgebung erlebe, ist es in vielen Paarbeziehungen gelegentlich oder häufiger schwierig.

Wer sind Sie? Ein perfekter Ehemann? Eine perfekte Ehefrau?  Nein rufen Sie mir jetzt entgegen, natürlich NICHT.

Und, es geht ja auch gar nicht darum, perfekt zu sein, sondern einander zu verstehen, zu respektieren, einander zuzuhören. Und, wo und wann haben wir alle das gelernt? Vielleicht in einem guten Elternhaus, wo es sichere Bindungen gab. Vielleicht auch in einer Jugendgruppe, in einem Verein, in der Schule? Höchstwahrscheinlich aber tatsächlich im Prinzip – nirgends!

Und dann, wenn man jung ist, frisch in einer Beziehung, kommen so viele Themen auf, mit denen Sie sich zuvor nicht oder nur teilweise beschäftigt haben. Sie wollen doch aber dem Bild des jungen, frisch verliebten, modernen, coolen Bild entsprechen, das überall zu sehen ist, in der Werbung, in Filmen, im Netz…Verliebt sein, geht schnell und ist ein tolles Gefühl, aber danach kann erst die echte Liebesbeziehung beginnen, und da braucht es Handlungen, Entscheidungen…und ab und zu was ganz Unmodernes, nämlich Verzicht und Demut.

Nein, natürlich, sich selber aufgeben und die eigenen Bedürfnisse zu ignorieren meine ich damit nicht. Da sind wir ja gerade alle erst dabei, das wenigstens jetzt zu lernen und, für sich einzustehen.

Sie sehen schon, schon hier im Text ist es nicht einfach, das zu trennen, das richtige Gefühl zu entwickeln füreinander und für sich selbst.

Bisher habe ich nur von jungen Paaren geschrieben, dabei wird alles noch schwieriger, wenn Kinder dazu kommen und möglicherweise noch die Familien der Partner. Oh, oh, dann wird es unter Umständen noch konfliktreicher. Wo bleibt die Paarbeziehung im Familienalltag? Ist sie schon auf der Strecke geblieben und braucht sie ein paar Wiederbelebungsmaßnahmen? Familien haben doch glücklich zu sein, und Kinder sind schließlich ein Segen. Hmmm. Sie wissen, das ist so einfach und problemlos nicht.

Irgendwann sind die Kinder aus dem Haus, neue Konstellationen in der Partnerschaft tun sich auf. Egal, sagen Sie, ich fühle mich meinem Mann/meiner Frau eh schon lange nicht mehr nahe. Jede/r geht halt einfach die eigenen Wege. Schade. Naja, irgendwann kommen Enkel dazu, dann hat das Paar wieder eine gemeinsame Aufgabe.

Und so komme ich zurück zu meiner Eingangsfrage: Paartherapie-brauchen wir doch nicht!

Und, wenn doch, vielleicht auch nur in einer kritischen Phase, ich könnte für Sie da sein.

Und so verabschiede ich mich heute  von Ihnen mit einem äthiopischen Sprichwort:

„Das Wort, das dir hilft, kannst du dir nicht selber sagen.“

Herzlichst

Ihre Heike Strohhäcker